Warum sind Christen so heuchlerisch?

Ist die Anklage, dass in der Kirche geheuchelt wird, mehr als nur eine wilde Übertreibung?

Warum sind Christen so heuchlerisch?

Alle Christen sind Heuchler! – Dies haben wir schon früher gehört. In diesen Kampfruf stimmen tausende von Nichtchristen ein, die damit versuchen, das Christentum schlecht zu machen. Es ist leicht, dabei an eine Handvoll engstirnige, verdammende Christen zu denken, die unser Ansehen zerstören. Aber liegt das Problem wirklich dort?

Vielleicht sitzt die Heuchelei doch tiefer? Vielleicht ist der Grund dafür, dass die Menschen  meinen, so viel Heuchelei unter den Christen zu sehen, nicht nur der, dass die Christen Heuchler sind, sondern dass ein Fehler in der allgemeinen christlichen Verkündigung liegt? Vielleicht ist dieses sogenannte „Christentum“ die allergrößte Heuchelei.

Lasst es uns logisch betrachten. Heuchelei kann man folgendermaßen definieren:  „Das Benehmen stimmt nicht mit dem überein, was man zu glauben oder zu fühlen vorgibt.“  Es ist einfach, hier und dort einige heuchlerische Christen zu finden. Doch was geschieht, wenn wir versuchen, diesen Gedankengang auf die ganze Kirche auszuweiten?

Christi Vergebung ohne Christi Leben

Die meisten Christen verkündigen gerne die Verheißungen in der Bibel – ewiges Leben, Frieden und Glück, Vergebung für Sünden in der Vergangenheit, Gegenwart und in der Zukunft. Doch die Bedingungen, um diese  Verheißungen zu erlangen, sind im Allgemeinen nicht bekannt. Sich selbst verleugnen, sein Kreuz aufnehmen (Matth.16,24), alle Jesu Gebote ausleben (Joh. 14,15) – wie oft wird dies in den meisten Kirchen verkündigt? Jawohl, viele Menschen erkennen an, dass die Bibel sagt: „Geh hin und sündige hinfort nicht mehr!“ (Johannes 8,11). Daraufhin wird jedoch normalerweise rasch versichert, dass „Gott selbstverständlich unsere Schwachheit versteht. Es ist für uns nicht möglich, dies wirklich durchzuführen.“

Und hier hast du die Heuchelei! Viele Christen gehen mit erhobenem Kopf umher und glauben, dass sie um vieles besser sind als Nichtchristen – auch wenn ihr Leben zeigt, dass sie selbst in Sünde leben. Sie glauben an die Verheißungen, die jedoch nur die Hälfte des Evangeliums ausmachen – aber nicht an die andere Hälfte, welche uns sagt, was wir tun müssen, um diese Verheißungen zu erlangen.

Christi Evangelium besteht darin, dass wir wie Christus leben sollen. (1.Petr.2,21-22) Viele Christen schütteln jetzt vielleicht den Kopf und lächeln über meinen Mangel an Verständnis. „Jesus hat alles getan“, sagen sie. „Wir können uns nicht Erlösung mit unserer menschlichen Güte erkaufen.“

Christi Evangelium besteht darin, dass wir wie Christus leben sollen.

Dies ist eine schöne, menschliche Redensart. Kapitel und Vers bitte! Zeig mir einen einzigen Vers, der besagt: „ Jesus hat alles getan, wir brauchen nichts zu tun.“

Steht nicht geschrieben, dass der Glaube ohne Werke tot ist? (Jak.2,17). Steht nicht geschrieben, dass wir mit Furcht und Zittern an unserer Erlösung arbeiten sollen? (Phil.2,12). Steht nicht geschrieben, dass wir in all unserem Wandel heilig sein sollen? (1.Petr.1,15).

Selbstverständlich sind es nicht unsere menschlichen Werke, die uns in den Himmel bringen. Doch dies bedeutet nicht, dass wir auf der Erde einfach so leben können, wie wir wollen. „…denn Gott ist es, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.“(Phil.2,13) Gott wirkt in uns, damit wir etwas tun.

„So seht ihr nun, dass der Mensch durch Werke gerecht wird, nicht durch Glauben allein.“ Jak.2,24. Gott gibt uns Gnade als ein freiwilliges Geschenk, doch diese Gabe beinhaltet, dass wir die Erlaubnis und Fähigkeit bekommen, seine Werke hier auf dieser Erde auszuführen. Wenn wir ihn lieben, so halten wir seine Gebote. (Joh.14,15). Wenn unsere Werke zeigen, dass wir seine Gebote nicht halten, dann sieht Gott, dass wir ihn doch nicht so sehr lieben.

Glaubst du an die Bibel oder an den Pastor?

Doch wo kannst du diese Verkündigung hören? Selbstverständlich wird nicht in jeder Kirche Heuchelei gepredigt. Frage dich aber selber: Wird in deiner Kirche verkündigt, dass erreichbar ist, was diese Schriftstellen aussagen? Wird in deiner Kirche genau das verkündigt, was in der Bibel steht?

„Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußtapfen, er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand.“ (1.Petr. 2,21-22).

„Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußtapfen …“

Du kannst behaupten, dass du alle Vergebung, ewiges Leben, Glück, Frieden und Freude  hast oder erwarten kannst – doch wenn du nicht so lebst, wie es in der Bibel steht, so hilft dir dies alles nicht. Heuchelei!

Wie lautet also die Antwort? Was ist, wenn man plötzlich aufwacht und merkt, dass das Evangelium, an das man glaubt, nicht Jesu Christi Evangelium ist? Dann wäre es ja dumm, mit diesem Evangelium weiterzumachen. Dies wäre tatsächlich unglaublich heuchlerisch. Somit ist die Antwort auf die Frage „Was ist ein Heuchler?“ nicht nur eine Sache der Verkündigung in der Kirche, sondern es betrifft ebenso dein persönliches Leben.

Denk darüber nach und nimm das Leben, das du lebst und die Verheißungen, an die du glaubst, genau unter die Lupe. Und schau dir danach genau an, welches Leben wir gemäß der Bibel führen sollen, um die Verheißungen zu erlangen. Vielleicht stimmen diese zwei Dinge nicht immer überein.

 

 

Dieser Text entstammt der Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. Mit Erlaubnis verwendet. Alle Rechte vorbehalten.

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Dieses Buch basiert auf den Versen in Galater 2,19-20: «Ich bin mit Christus gekreuzigt. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.» Hier erklärt Elias Aslaksen, was dies bedeutet, und wie der Leser im eigenen Leben das gleiche Zeugnis wie Paulus erhalten kann.